Mai 2026 

Das ärztliche Auge schulen – Die Kunst der Medizinischen Diagnose

Ein Pilotprojet an der Medizinischen Universität Innsbruck, Institut für Anatomie 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Lars Klimaschewsky wurde 2025 in Kooperation mit Angelika Jung vom Institut für Visuelle Bildung das Pilotprojekt „Das ärztliche Auge schulen – die Kunst der medizinischen Diagnose“ initiiert und durchgeführt. Ziel des Projekts war es, die visuelle Kompetenz von Medizinstudierenden am Institut für Anatomie systematisch zu fördern und diagnostische Wahrnehmungsfähigkeit gezielt zu schärfen.

In einer Ära elektronischer Patientenakten, technologisch hochgerüsteter Medizin und zunehmend KI-gestützter Diagnostik besteht die Gefahr, dass die unmittelbare, differenzierte visuelle Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper in den Hintergrund tritt. Gerade im Zusammenspiel von ärztlicher Expertise und algorithmischer Bildauswertung wird jedoch die Fähigkeit des präzisen Beobachtens, kontextuellen Einordnens und kritischen Bewertens zentral.

Mit Visual Thinking Strategies – einer strukturierten Methode der Kunstbetrachtung – werden absichtsloses Beobachten, exaktes Beschreiben und evidenzbasiertes Interpretieren trainiert. Diese Kompetenzen lassen sich sowohl auf die Analyse radiologischer Bildgebung als auch auf die visuelle Beurteilung physiologischer und pathologischer Veränderungen am Patienten übertragen und stärken die diagnostische Urteilskraft im Spannungsfeld von Humanmedizin und KI.

Das Projekt wurde von den Studierenden außerordentlich positiv aufgenommen und wird ab 2026 als fixer Bestandteil der Lehrveranstaltung Histologie implementiert.

 

Inhalt:

  • Aesthetic Deveolpment Theory, Abigail Housen, kognitive Psychologin, USA
  • Formal Art Observation Training Improves Medical Students’ Visual Diagnostic Skills,
    Sheila Naghshineh, Internistin, USA
  • Praktische Anwendung von Visual Thinking Stategies im Museum
  • Praktische Anwendung von Visual Thinking Stategies im medizinischen und histologischen Bereich
September 2021
Erste Volksschule in Österreich integriert DIE VISUELLE SCHULE in den Unterricht

Unter  der Führung von Direktorin Andrea Schwerma haben im September 2021 alle Lehrer*innen der Volksschule Arzl, Innbruck, Tirol, die Fortbildung in vier Modulen zur VTS-Moderatorin abgeschlossen. 
In einem Zeitraum von über zwei Jahren hat der Lehrkörper der Schule Visual Thinking Strategies im Unterricht getestet und integriert. VTS ist eine Methode der Bildbetrachtung mit dem Ziel kognitive wie soziale Fähigkeiten zu fördern. Im schulischen Alltag werden Bilder unterschiedliche eingesetzt, häufig in der Annahme, dass Bilderlesen eine Fähigkeit darstellt, die Schülerinnen und Schüler von selbst erlernen. Das Konzept der Visuellen Schule geht davon aus, dass Bilderlesen eine Fertigkeit ist, die es zu erlernen gilt. 
Insbesondere werden folgende Kompetenzen geschult:
  1. Visuelle Kompetenz (ein Bild - Medien oder Kunst - bewusst zu betrachten)
  2. Freie Rede (eine eigene Meinung bilden und diese sprachlich zum Ausdruck bringen)
  3. Eigenständig, kreatives Denken (faktenbasiertes Diskutieren, die eigene Meinung überdenken, die Meinung anderer kritisch reflektieren) 
  4. Soziale Kompetenz (Gesprächsregeln, Zuhören, Respekt und Toleranz für die anderer, alles was ein gutes Teammitglied auszeichnet)
    Link zum Pressetext:  Schule_Deutungskompetenz in der Bilderwelt
Oktober 2021
Dissertationsprojekt Christine Bachmann